Roasters United: Was passiert, wenn Kaffeeröster:innen sich zusammentun?
Oct 13, 2026
Wie soll fairer Kaffeehandel in Zukunft aussehen? Wie können wir unsere Partnerkooperativen langfristig unterstützen? Und was braucht es, damit Bio-Kaffee auch unter schwierigen Bedingungen eine Zukunft hat?
Mit diesen Fragen haben wir uns Ende September beim Roasters-United-Meeting bei Loppokaffee in Kiel beschäftigt. Für uns als Bio-Kaffeerösterei sind diese Treffen ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Denn guter Kaffee beginnt nicht erst in der Rösttrommel, sondern bei der Entscheidung, Kaffee anders zu denken als die meisten.
Gemeinsam mehr bewegen: Roasters United
Als Mitglied des Importnetzwerks Roasters United haben wir uns gemeinsam mit anderen Kaffeeröstereien aus ganz Europa dazu verpflichtet, unseren Rohkaffee direkt bei den Kaffeekooperativen einzukaufen und dafür Preise zu zahlen, die deutlich über dem Fairtrade-Niveau liegen.
Das machen wir auch, um gemeinsam besondere Kaffees einkaufen zu können, aber in erster Linie machen wir es für die Farmer:innen, die dadurch faire Löhne bekommen. Gemeinsam möchten wir hochwertige Kaffees aus ökologischem Anbau fördern und Handelsbeziehungen schaffen, die den Menschen im Ursprung bessere Perspektiven ermöglichen.
Dabei geht es um mehr als den Einkauf guter Rohkaffees. Es geht um langfristige Partnerschaften, verlässliche Absatzmöglichkeiten und faire Handelsbedingungen. Die Kooperativen sollen ihre Kaffees nicht nur produzieren, sondern auch unter Bedingungen verkaufen können, die ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung unterstützen.
Als einzelne Rösterei können wir viel bewegen. Gemeinsam können wir Erfahrungen teilen, Herausforderungen besser verstehen und unsere Zusammenarbeit mit den Kooperativen weiterentwickeln. Es ist schön, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich denselben Werten verschrieben hat.
Die Zukunft von Roasters United: Qualität, Zusammenarbeit und klare Ziele
Vom 24. bis 27. September 2026 kamen alle Mitglieder von Roasters United bei Loppo Kaffee in Kiel zusammen. Ein großer Teil des Treffens war der gemeinsamen Zukunft gewidmet. In mehreren Arbeitsgruppen diskutierten die Mitglieder darüber, wofür Roasters United steht, wie sich die Organisation entwickeln soll und was eine Mitgliedschaft eigentlich bedeutet.
Eine zentrale Frage war dabei das Thema Wachstum. Mehr Mitglieder sind nicht automatisch die Lösung für alles. Entscheidend ist, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Organisation gut funktioniert und die Beziehungen zu den Kooperativen langfristig gepflegt werden können.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig die Abnahmemengen sind: Die Kooperativen möchten mehr Kaffee an uns verkaufen. Wenn wir als Röstereien mehr Kaffee von unseren Partner:innen beziehen können, steigt ihr durchschnittlich erzielter Preis und somit auch ihre die Lebensqualität. Außerdem schaffen wir zusätzliche Absatzmöglichkeiten und können unsere Zusammenarbeit vertiefen. Dafür braucht es jedoch auch verlässliche interne Strukturen, gute Abläufe und genügend Kapazitäten.
Planung, Strategie und Bürokratie mögen auf den ersten Blick wenig mit Kaffee zu tun haben. Tatsächlich sind sie aber eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Roasters United seine Arbeit langfristig gut fortsetzen kann.
Herausforderungen im Kaffeeanbau
Ein weiterer Schwerpunkt waren die Berichte über die Situation in den verschiedenen Anbauländern. Als Mitglied von Roasters United reisen wir von CARLES jedes Jahr einmal in eines der Ursprungsländer unserer Kaffees. Die anderen Mitglieder besuchen weitere Anbauländer. So teilen wir uns die Reisen auf und können gemeinsam möglichst viele unserer Partnerkooperativen persönlich kennenlernen und begleiten.
Während des Treffens haben wir verschiedene Reiseberichte aus diesem Jahr angehört und besprochen. Sie haben gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen je nach Land aktuell sind und wie wichtig es ist, nicht nur auf den fertigen Kaffee zu schauen.
Äthiopien: Bio-Anbau unter schwierigeren Bedingungen
In Äthiopien verändern sich die Bedingungen für den Handel mit Bio-Kaffee. Besonders die gestiegenen Kosten und Anforderungen der europäischen Bio-Regulierung stellen Kooperativen und ihre Dachorganisationen vor Herausforderungen. Laut den beim Meeting besprochenen Erfahrungen sind die Kosten der EU-Bio-Regulierung stark gestiegen. In der Folge ist das Angebot an für den europäischen Markt zertifizierten Bio-Kaffees teilweise zurückgegangen,.
Für uns zeigt das: Bio-Kaffee braucht mehr als ein Siegel. Es braucht Rahmenbedingungen, unter denen Produzent:innen den ökologischen Anbau auch langfristig aufrechterhalten können.
Brasilien: Wenn das Wetter die Ernte erschwert
Auch aus Brasilien wurden Herausforderungen berichtet. Bei der Kooperative Coopfam sind die Auswirkungen schwieriger Wetterbedingungen deutlich spürbar. Starker Regen beeinträchtigt die Blüte und Reifung der Kaffeekirschen und sorgt dafür, dass Früchte vorzeitig zu Boden fallen. Gleichzeitig ist die Zahl der Mitglieder im Bio-Anbau zurückgegangen.
Die Kooperative arbeitet daran, die verbleibenden Bio-Produzent:innen zu unterstützen und den ökologischen Anbau weiterzuentwickeln. Solche Entwicklungen zeigen, wie eng Kaffeequalität, Klima, Zertifizierung und die wirtschaftliche Situation der Menschen vor Ort miteinander verbunden sind.
Peru: Qualität entwickeln und Kooperativen stärken
Auch die Entwicklungen in Peru standen auf der Agenda. Bei Rutas del Inca, mit der Roasters United seit 2023 zusammenarbeitet, wurde über Investitionen, Qualitätsentwicklung und neue Aufbereitungsversuche berichtet. Die Kooperative baut ihre Arbeit weiter aus und experimentiert unter anderem mit verschiedenen Fermentationsmethoden.
Bei einer weiteren Kooperative ging es um finanzielle Herausforderungen und die Frage, ob eine teilweise Vorfinanzierung zukünftiger Ernten sinnvoll sein könnte. Solche Entscheidungen sind komplex: Sie können Kooperativen unterstützen, bringen aber auch Risiken mit sich und müssen sorgfältig abgewogen werden.
Genau deshalb ist der regelmäßige Austausch so wichtig. Wir möchten nicht einfach Rohkaffee bestellen und auf die nächste Lieferung warten. Wir wollen verstehen, wie es unseren Partnern geht, welche Entwicklungen sie beschäftigen und wo wir sie sinnvoll unterstützen können.
Gemeinsam verkosten, vergleichen und dazulernen
Natürlich kam auch der Kaffee selbst nicht zu kurz. Bei mehreren Cuppings verkosteten wir unterschiedliche Kaffees und tauschten uns über Qualität, Herkunft und Aufbereitung aus.
Auf dem Programm standen unter anderem äthiopische Kaffees aus Natural- und Washed-Aufbereitung sowie Robusta-Kaffees aus der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und Tansania.
Solche Verkostungen sind weit mehr als eine schöne Gelegenheit, neue Kaffees kennenzulernen. Sie helfen uns, Qualitäten besser einzuschätzen, Unterschiede zu verstehen und gemeinsam darüber zu sprechen, welche Kaffees wir unseren Kund:innen anbieten möchten.
Warum fairer Kaffee einen Unterschied macht
Für uns bei CARLES ist die Mitgliedschaft bei Roasters United kein Zusatz zu unserer eigentlichen Arbeit. Sie gehört zu unserem Verständnis davon, wie Kaffeehandel funktionieren sollte.
Wenn wir Kaffee einkaufen, entscheiden wir nicht nur, welche Aromen später in der Tasse landen. Wir entscheiden auch, mit wem wir zusammenarbeiten, welche Anbauweisen wir unterstützen und welche Handelsbeziehungen wir mittragen.
Fairer Kaffeehandel bedeutet für uns, Produzent:innen nicht nur als Lieferant:innen zu betrachten, sondern als Partner:innen. Dazu gehören faire Handelsbedingungen, langfristige Beziehungen, transparente Zusammenarbeit und ein ernsthaftes Interesse an den Herausforderungen vor Ort.
Das heißt nicht, dass sich alle Probleme mit einer einzelnen Bestellung lösen lassen. Auch Kooperativen stehen vor wirtschaftlichen Risiken, steigenden Kosten, schwierigen Wetterbedingungen und komplexen Marktveränderungen. Aber verlässliche Abnahme und eine langfristige Zusammenarbeit können ihnen helfen, ihre Arbeit besser zu planen und in die Zukunft ihrer Kooperative zu investieren.
Wenn du dich für Kaffee entscheidest, bei dem Herkunft, Anbau und Handelsbeziehungen eine wichtige Rolle spielen, unterstützt du ein anderes Verständnis von Kaffeehandel. Du stärkst die Nachfrage nach Kaffee, hinter dem nicht nur ein Produkt, sondern auch eine bewusste Form der Zusammenarbeit steht.
Für uns ist das ein wichtiger Teil von Nachhaltigkeit: nicht nur darüber zu sprechen, sondern unsere Einkaufsentscheidungen danach auszurichten. Guter Kaffee kann Menschen verbinden, langfristige Partnerschaften stärken und nimmt die Menschen hinter dem Produkt ernst – und du kannst durch deine Kaufentscheidung ein Teil davon sein.