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Collage aus 5 Fotos mit Eindrücken von den Kaffeefarmen in Brasilien. Collage aus 5 Fotos mit Eindrücken von den Kaffeefarmen in Brasilien.

Wie der Klimawandel den Kaffeeanbau in Brasilien verändert

Brasilien ist seit über 150 Jahren der größte Kaffeeproduzent der Welt und liefert rund ein Drittel des weltweit gehandelten Kaffees. Doch die Bedingungen für den Kaffeeanbau verändern sich rasant. Extreme Wetterereignisse, steigende Temperaturen und schwankende Weltmarktpreise stellen viele Farmen vor große Herausforderungen. 

Im Juli haben zwei Röstereien aus unserem Einkaufsnetzwerk Roasters United unsere Partnerkooperative COOPFAM im Bundesstaat Minas Gerais besucht. Rund 50% der brasilianischen Kaffeebohnen stammen aus dieser Region. Wir haben mit den Farmer:innen und Produzent:innen vor Ort gesprochen, um zu verstehen, wie sich die Kaffeebranche dort verändert.

Dabei ist uns vor allem eins klar geworden: Der Klimawandel ist für brasilianische Kaffeefarmen längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, sondern beeinflusst bereits heute Ernte, Qualität, Einkommen und die Entscheidungen darüber, wie Kaffee in Zukunft angebaut werden kann.

Regen, Frost, Dürre: Der Klimawandel wird spürbar

Dieses Jahr sorgten beispielsweise ungewöhnlich starke Regenfälle dafür, dass die Kaffeekirschen zu schnell reif wurden, von den Pflanzen fielen und teilweise nicht mehr richtig getrocknet werden konnten. Dadurch ergaben sich Qualitätsverluste, mehr Defekte und geringere Erntemengen.

Diese Wetterextreme wirken sich auch auf die Folgeernte aus: COOPFAM Coopfam: Bio-Espresso aus Brasilien (100% Arabica) – Carles Bio-Kaffeerösterei erwartet, dass die diesjährigen Bedingungen das Erntevolumen im kommenden Jahr weiter reduzieren. Auch Frostereignisse zeigen langfristige Folgen – bei einem der besuchten Betriebe fiel die erwartete Ernte nach dem Frost im Vorjahr von 70 auf nur noch 40 Säcke.

Besonders deutlich wird der Druck auf den Bio-Anbau: Von ursprünglich 146 Bio-Produzent:innen bei COOPFAM sind zwei Jahre später nur noch rund 70 übrig. Der Grund dafür ist nicht nur der Klimawandel, sondern auch die finanzielle Belastung: Ökologischer Anbau, bei dem auf synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, kann die Produktionskosten um bis zu 30 Prozent erhöhen. Für die Farmer:innen ist es daher schlichtweg einfacher, kurzfristige Produktivitätssteigerungen über langfristige Nachhaltigkeit zu stellen und vom ökologischen zum konventionellen Anbau zu wechseln. Immerhin: die Fairtrade-Zertifizierung von Coopfam für den europäischen Markt verbietet den Einsatz besonders starker Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat. Dadurch bleibt selbst auf konventionell bewirtschafteten Flächen ein gewisser Umweltschutz erhalten.

 

Rodrigo, Sales Manager COOPFAM

Wie können Kaffeefarmen sich an den Klimawandel anpassen?

Um all diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, braucht es klare Strategien. Viele Produzent:innen steigen daher auf widerstandsfähigere und ertragsreichere Arabica-Varietäten wie Acauã Novo, Arara oder Paraíso um, die außerdem besser gegen Trockenstress und Krankheiten gewappnet sind.

Ein weiterer Baustein ist die Diversifizierung der Anbauflächen, etwa durch Avocados und Tomaten. Das Primärziel ist hierbei die Risikostreuung, denn wer nicht nur auf den Kaffeeanbau angewiesen ist, kann Ernteausfälle und Preisschwankungen besser abfedern und seine wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit erhöhen.

Viele Farmer:innen haben zudem Schattenbäume gepflanzt, um Hitze zu reduzieren und die Kaffeepflanzen vor Hagelschäden zu schützen. Im Schatten der Bäume tragen die Kaffeepflanzen jedes Jahr Früchte, während sich ohne diesen Schutz häufig Jahre mit hohen und niedrigen Erträgen abwechseln.

Während einzelne Schattenbäume bereits helfen können, Hitze und Wind zu reduzieren, geht ein sogenanntes Agroforstsystem deutlich weiter: Es verbindet Bäume, Kaffeepflanzen und weitere Kulturen zu einem komplexen Ökosystem, in dem Bäume die Bodenfeuchtigkeit regulieren und den Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf stabilisieren. Dadurch entstehen deutlich günstigere Bedingungen für einen langfristig klimaangepassten Kaffeeanbau. Dieses Modell orientiert sich am natürlichen Lebensraum der Arabica-Kaffeepflanze in den tropischen Hochländern Äthiopiens.

Rosangela’s Farm: Neue Strategien für nachhaltigen Kaffeeanbau

Wie sich diese Veränderungen konkret auf eine Farm auswirken, zeigt der Besuch bei Rosangela, einer 50-jährige Kaffeefarmerin und Mitglied von COOPFAM, die ausschließlich Bio-Kaffee anbaut. Ihre 5 Hektar große Farm besteht aus etwa 15.000-20.000 Kaffeepflanzen. Der Anbau von neuen, resistenteren Kaffeepflanzen ließen den diesjährigen Ertrag von 35 auf 100 Säcke ansteigen und Rosangela erwartet, dass es nächstes Jahr noch mehr sein werden.

Ihre Familie baut außerdem Tomaten und Tabak an, um ein zweites Standbein zu haben und um die Einnahmen in die Kaffeeproduktion zu reinvestieren. Leider wird auch die Tabakproduktion immer stärker vom Klimawandel beeinflusst, sodass diese Strategie nicht zukunftsfähig ist. COOPFAM unterstützt Rosangela mit technischem Wissen, Krediten (wenn benötigt) und der Bio-Zertifizierung. Trotz der steigenden Kosten sagt Rosangela: Wir bleiben bei Bio. Das ist eine Überzeugung, die sie nicht verhandeln möchte.

Die Zukunft des Kaffees entscheidet sich jetzt

Der Klimawandel zeigt, wie wichtig langfristige Partnerschaften und widerstandsfähiger Anbau geworden sind. Neue Varietäten, Schattenbäume, Agroforstsysteme und diversifizierte Anbauflächen können helfen, die Produktion ertragreicher zu machen, doch technische Lösungen allein reichen nicht aus.

Damit Farmer:innen langfristig in Qualität, Bio-Anbau und nachhaltige Anbaumethoden investieren können, brauchen sie vor allem wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche Partnerschaften.

Genau deshalb ist es wichtig, Kaffee nicht nur als Rohstoff, sondern als landwirtschaftliches Produkt zu verstehen, dessen Zukunft von Klima, Menschen und fairen Handelsbeziehungen gleichermaßen abhängt. Denn wenn wir auch in Zukunft außergewöhnlichen Kaffee genießen wollen, müssen wir heute dafür sorgen, dass er überhaupt noch angebaut werden kann.

Unser brasilianischer Kaffee trägt deshalb nicht zufällig den Namen COOPFAM: Mit jeder Tasse Coopfam-Espresso holen wir ein Stück dieser Partnerschaft nach Hause – und machen sichtbar, wo unser Kaffee herkommt und warum seine Zukunft uns alle betrifft.

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